Bludenzer Kulturfabrik: Neue Denk- und Handlungsweisen im Fokus

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Kulturstadtrat Christoph Thoma möchte zum Ende seiner Amtszeit in Bludenz noch Bewegung in das kommunale Kulturverständnis bringen. Kultur in ihren vielfältigen Ausdrucksformen bildet das Fundament einer Gesellschaft. „Wenn wir die Bedeutung von Kultur wirklich ernst nehmen, müssen wir uns endlich von der reinen Förder- und Repräsentationspolitik wegbewegen, es braucht einen klar formulierten kulturpolitischen Auftrag“, so Thoma.

Mit der am Mittwoch gestarteten Bludenzer Kulturfabrik hat die Stadt Bludenz einen breiten Bürgerbeteiligungsprozess begonnen, der Fakten auf den Tisch legen soll, damit sich die Alpenstadt konsequent weiterentwickeln kann. Rund 80 interessierte Bürger, Kulturschaffende wie Museums-Direktor Andreas Rudigier, Komponist Gerold Amann sowie Helmut Schlatter (Artenne), Bürgermeister Mandi Katzenmayer aber auch Stadträtin Karin Fritz waren unter den interessierten Gästen.

Winfried Nussbaummüller, Leiter der Kulturabteilung des Landes, sprach in seinem Impulsvortrag über Zugänge, Vielfalt und Grenzen. Kultur müsse wesentlich breiter wahrgenommen werden, Inseldenken ist eine überholte Denkweise, es ginge auch darum, erfolgreiche Formate und Konzepte zu stärken.

Wolfgang Maurer, Obmann des Vereins allerArt, brachte dabei ein Leuchtturmprojekt für den Süden Vorarlbergs ins Spiel. „Wäre ein neues Festival ein möglicher Weg auf der Kulturlandkarte des Landes besser wahrgenommen zu werden?“ Maurer stellte zudem auch die Bildungskompetenz ins Zentrum, verstärkte Angebote mit Schulen sollten realisiert werden.

IMG_5788Kultur in ihren vielfältigen Ausdrucksformen bildet bekanntlich das Fundament unserer Gesellschaft. Identität stärkt beispielsweise den Blick auf fremde Welten. „Und diese fremden Welten sind längst Realität geworden. Integration ist mehr denn je eine Pflichtaufgabe einer modernen Kulturpolitik“, ergänzt Thoma. Literatur, Musik, bildende Kunst, Architektur, Theater oder Film schaffen eine phantasievolle Auseinandersetzung mit Realitäten des Alltags. „Stadtentwicklung kann nicht mehr losgelöst von gesellschaftlichen Entwicklungen betrachtet werden – wie gestalten wir Wohn- und Freiraum, wie schaffen wir sinnvolle Mobilitätsangebote?“, ergänzt Thoma. Selbiges gilt für die Schaffung von Betriebsgebieten, der Umgang mit Grünflächen oder die Positionierung einer Stadt. Mit diesem Ansatz würden sich hinkünftig jedoch auch Förderstrukturen und Verantwortlichkeiten ändern.

Eine zeitgemäße Kulturpolitik erfordert neue Denk- und Handlungsweisen. Es braucht wesentlich mehr Augenmerk auf die Beteiligung der Zivilgesellschaft. Im Fokus sollen hinkünftig Bürgerbeteiligung, die verstärkte Unterstützung und Koordination von ehrenamtlichem Engagement (Vereinsstrukturen), sowie die Förderung des Dialogs der Kulturen stehen. „Welche vorhandenen Potentiale werden nicht genutzt – gerade mit dem Blick auf den Moscheebau in Bludenz, wie kann ein Neben- zu einem Miteinander werden?“, hinterfragt Thoma, und verweist auf eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung.

Europäische Kulturhauptstadt wurde ebenfalls disktuiert

IMG_5781Kulturstadtrat Christoph Thoma wollte zudem das innovative Schaffen junger Menschen thematisieren. „Es wird wichtig sein, dass der Kulturbeirat der Stadt Bludenz in den Prozess eingebunden wird“, stellte Thoma fest. Thoma nutze den Abend auch um klarzustellen, dass die Idee der Europäischen Kulturhauptstadt keine, wie vom Land immer wieder kolportierte „Hubschrauber-Idee“ ist, die am 1. Jänner landet und am 31. Dezember wieder abhebt. Es gehe viel mehr um nachhaltige Prozesse mit der Gesellschaft, die weit über das Rheintal hinaus gehen werden. „Der Bludenzer Prozess ist ein Beispiel, wie nachhaltig und im Konsens mit der Bevölkerung, Kultur neu definiert werden kann“, schloß Thoma den Abend.

Endlich wird über Kultur öffentliche diskutiert: Die weiteren Schritte …

Das Ziel ist die Formulierung eines kulturpolitischen Auftrags, der in der Stadtvertretung beschlossen werden soll. Zuvor folgt am 17. Mai ein Kulturausschuss, wo die Erkenntnisse der gestrigen Veranstaltung analysiert werden. Im Juni soll die Bevölkerung zu einem World-Café zu unterschiedlichsten Fragen der Kulturentwicklung von Bludenz eingeladen werden.

 

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